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Dorotea Mekaniska: „Mit dem Freihandelsabkommen TTIP könnten wir neue Mitarbeiter einstellen“

In Dorotea, einer Ortschaft in der nordschwedischen Provinz Västerbotten, werden Arbeitsgeräte für die Pflege von Feucht- und Wassergebieten hergestellt und in alle Welt exportiert. Das Unternehmen Dorotea Mekaniska wurde vom heutigen Geschäftsführer Torbjörn Hahlin Anfang der 1990er-Jahre gegründet. Wir haben mit Torbjörn Hahlin über den Freihandel und das Transatlantische Handels- und Investitionsabkommen TTIP gesprochen, über das zurzeit zwischen der EU und den USA verhandelt wird.

Auf die Tatsache, dass mehr als 90 Prozent der Gesamtproduktion von Dorotea Mekaniska heute in den Export geht, gibt schon die Webseite des Unternehmens Aufschluss, die Besucher auf chinesisch, russisch, spanisch sowie einer Reihe weiterer Sprachen informiert und auf der man sich Broschüren in mehr als zehn Sprachen herunterladen kann. 

 

„Im Prinzip sind wir einzigartig in unserem Geschäftsbereich. Was wir hier produzieren, sind keine Produkte, die man über den Tresen verkauft“, sagt Torbjörn Hahlin.

 

Die in Dorotea hergestellten amphibischen Geräteträger werden zum Schneiden und Sammeln von Schilf, zur Sanierung von Umweltschäden, für Baggerarbeiten und andere Arten von Naturpflege verwendet. Das Unternehmen ist stolz darauf, das breiteste Sortiment an Geräten für die Umweltpflege in Schweden, ja vielleicht sogar weltweit zu bieten:

 

„Wir sind vom Export abhängig – ohne ihn sind wir nichts, das ist ganz klar. Mehr als 50 Prozent unserer Produktion geht in Länder wie Thailand, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, die Slowakei und Polen. Russland war unser größter Exportmarkt, der jedoch aufgrund des Falls des Rubels so gut wie verschwunden ist. Zwar pflegen wir noch immer Geschäftsbeziehungen, aber von unserem einst größten Absatzmarkt ist nicht viel übrig geblieben.“  

 

Der amerikanische Markt stellt trotz der Größe des Landes noch immer nur einen unter vielen anderen Märkten für Dorotea Mekaniska dar. Torbjörn Hahlin ist aber der Überzeugung, dass er durchaus größer sein könnte.

 

„Meiner Meinung nach müssten die USA und Russland eigentlich vergleichbare Märkte sein. Oder nehmen wir die Gesamtfläche der EU, sie ist ungefähr so groß wie die USA. Wenn wir davon ausgehen, dass ich an die zwanzig Vertriebspartner innerhalb der EU habe, dann kann ich wohl die Annahme wagen, dass ich in den USA etwa bei derselben Größenordnung landen müsste, denn die Kaufkraft ist ja im Großen und Ganzen da. Aber ich sehe die Handelsbarrieren als eine der Ursachen dafür, dass es nicht geht, in den USA so zu wachsen, wie es meiner Ansicht nach möglich wäre.

 

Die Einfuhrzölle auf die Maschinen liegen heute bei sieben Prozent. Und Torbjörn Hahlin hört viele Klagen von den Vertriebspartnern, dass die Einfuhrgebühren ein Problem darstellen. Denn die Zölle werden auf die Gesamtkosten gelegt, und das bedeutet letztendlich, dass der Preis für die Kunden steigt.

 

„Ein solches Nischenprodukt ist ja bereits von Anfang an sehr kostspielig, es ist ein Handwerksprodukt und keine Serienherstellung, d. h. der Preis ist einfach höher als bei einem Produkt, das tausendfach verkauft wird. Dies bedeutet hohe Kosten für uns wie auch für die Händler. Und dass dann noch eine Menge Zollabgaben hinzukommen, macht die Sache nicht gerade einfacher.“  

 

Selbstverständlich führen die Zölle zudem noch einige Papierarbeit mit sich.

 

„Wir arbeiten jeden Tag mit vielen Papieren. Das trifft auf die USA genauso wie auf Russland oder Indonesien zu. Es ist nicht mehr Papierarbeit für die USA als für irgendeinen anderen Markt.“

 

Er hofft jedoch, dass sich das Freihandelsabkommen TTIP durchsetzen kann. Dies würde es einfacher machen, gegen Produkte, die in den USA hergestellt werden, zu konkurrieren. Zurzeit wäre die Gründung einer Fabrik in den USA und die Verlagerung der Produktion dorthin eine denkbare Alternative.

 

„In dem Fall könnte ich sicher relativ schnell und einfach ein Unternehmen aufbauen, das dem in Dorotea entspricht.“

 

Das sagt einiges über das Potenzial des amerikanischen Marktes für Dorotea Mekaniska aus, wenn es nicht die heutigen Handelsbarrieren gäbe. Außer den Zöllen stellen die sogenannten nichttarifären Handelshemmnisse weitere Stolpersteine dar.

 

Laut einem amerikanischen Gesetz aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts dürfen Baggerarbeiten in Fließgewässern, die in den Ozean münden, nur von Maschinen ausgeführt werden, die in den USA hergestellt worden sind. Es ist damit nicht sicher, ob ein Bagger, der in Europa gebaut wurde, in einem Hafengebiet in den USA überhaupt eingesetzt werden darf.  

 

„Das Nassbaggern ist der Geschäftsbereich, in dem wir weltweit den größten Zuwachs verzeichnen. Aber in den USA weiß ich, dass wir kein so großes Kuchenstück abkriegen werden aufgrund dieses Gesetzes. Da haben wir also definitiv ein Handelshemmnis.“

 

Es werden schon einige Nassbaggergeräte verkauft. In Fließgewässern, die keinen Kontakt mit dem Ozean haben, dürfen sie eingesetzt werden. Und amerikanische Unternehmer sind den schwedischen wohl nicht unähnlich, spekuliert Hahlin. Es ist durchaus möglich, dass hier und da europäische Nassbagger eingesetzt werden, wo sie es eigentlich nicht dürften. Aber das Gesetz steht ja in keinem Zusammenhang zu einem Qualitätsunterschied zwischen schwedischen und amerikanischen Produkten. Es ist nur ein Beispiel für eine Regulierung, die den Handel zwischen den Regionen erschwert, ohne irgendeinen Nutzen für die Kunden zu bringen.

 

„Das ist völlig unverständlich. Das Gesetz muss eingeführt worden sein, um die amerikanische Industrie zu schützen. Aber mit einem Freihandelsabkommen hätte man solche Hindernisse nicht mehr.“

 

Auf die Frage, ob es noch weitere Handelshemmnisse gäbe, auf die sie gestoßen seien, muss er eine Weile überlegen, bis ihm die Motoren einfallen, die in die Arbeitsgeräte von Dorotea Mekaniska eingebaut werden.

 

„Wenn ich einen Dieselmotor von Kubota mit der höchsten Umweltklasse 3 kaufe, ist es der beste, den ich heute auf dem Markt bekommen kann. Aber ich darf ihn nicht in einem Gerät liefern, das in die USA eingeführt werden soll. Denn dort unterliegt der Motor sogenannten Flexstandards. Es ist derselbe Motor, nur mit einem anderen Registrierungsschild. Das ist so eine Sache, der wir uns angepasst haben. Heute kaufen wir nur Flexmotoren ein, die für den amerikanischen Markt vorgesehen sind, weil diese werden in der ganzen Welt akzeptiert werden. Als Unternehmer muss man kreativ sein und Probleme lösen können. Ich habe das Problem also so gelöst, dass ich mit Flexmotoren auch in Europa fahre. Das heißt, ein Kunde hier bekommt einen Motor, der dem Standard in den USA entspricht.“  

 

Als Unternehmer muss man Probleme angehen und lösen, sonst kommt man nicht weiter, meint Hallin. Dass der europäische Standard in den USA nicht akzeptiert wurde, stellte ein bürokratisches Hindernis dar, dessen Überwindung beinahe ein Jahr in Anspruch genommen hat.

 

„Eine Zeit lang lieferten wir Maschinen ohne Motoren in die USA und montierten diese dort vor Ort. Kein Zweifel: Wenn wir miteinander reden könnten, wäre die Welt deutlich einfacher.“

 

Eine Einstellung, die wohl bei vielen Unternehmern einen hohen Wiedererkennungswert hat. Und auch wenn Probleme dazu da sind, gelöst zu werden, kann es manchmal dazu führen, dass man dazu tendiert zu vergessen, welche Hindernisse sie tatsächlich darstellen. Denn die Hemmnisse sind ja gleichwohl da, auch wenn es Wege gibt, sie zu umgehen.

 

„Ich sehe mich nicht als jemand, der nicht dem Gesetz folgt. Ja, ich folge ihm bis auf den letzten Punkt. Aber ich kann auch verstehen, dass es für ein kleineres, neu gegründetes Unternehmen mit einer nicht so starken wirtschaftlichen Lage unmöglich ist, das zu schaffen. Man muss finanziell schon gut aufgestellt sein, um all die Hindernisse zu bewältigen und einiges einstecken können, bevor man am Ziel ist.“  

 

Wäre es genauso einfach, mit den USA Handel zu treiben wie mit den EU-Ländern, könnte für Dorotea Mekaniska der amerikanische Markt auf längere Sicht genauso groß werden wie Europa.

 

„Zunächst wird man, glaube ich, nicht einen so großen Unterschied feststellen. Wenn ich in Marketing investieren soll, muss ich sicher sein, dass es sich lohnt. Mit dem Freihandelsabkommen TTIP würde ich den Bogen etwas weiter spannen und mehr in das Marketing in den USA investieren, wie zum Beispiel unsere Präsenz auf Messen und ähnlichen Veranstaltungen verstärken. Denn so etwas führt zu Ergebnissen. Heute sind wir in den USA eher ein Akteur im Hintergrund, denn ich bin der Meinung bin, dass die Einfuhrzölle unsere Produkte etwas zu teuer machen. An dem Tag, an dem ich den Preis unserer Produkte senken kann, glaube ich, dass es sich lohnen würde, sich anders auf dem Markt zu präsentieren, ein Markt, der um insgesamt 20–30 Prozent wachsen könnte.“ Das würde der Neueinstellung von fünf bis sechs Mitarbeitern entsprechen. In einem Unternehmen, das heute 38 Angestellte hat.  

Tags SMEs

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