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Kann Protektionismus uns Fabrikarbeit zurückgeben?

Tags: TTIP Freihandel

Vor vielen Jahren schrieb ich eine Reportage über ein Unternehmen der metallverarbeitenden Industrie im nördlichsten Schweden.

Ich kann mich zwar nicht mehr daran erinnern, was die Firma herstellte, weiß aber noch, dass der Besitzer erzählte, man habe aufgehört, Gusskomponenten von China zu kaufen. Nun kaufte man sie in einer Gießerei, die Nachbar im selben Industriegebiet war. Ein wenig teurer pro Stück, aber wenn etwas nicht stimmte oder geändert werden musste, brauchte man nur hinüberzugehen und konnte das Problem bei einer Tasse Kaffee lösen. Mit den Chinesen konnte so ein Prozess Wochen dauern und schlimmstenfalls eine Reise nach China erforderlich machen. Mehrere Unternehmen der Gegend waren zu demselben Ergebnis gekommen.

Ob nun die Firma, bei denen er die Materialien kaufte, viele neue Mitarbeiter eingestellt habe?

Nein, das glaubte der Besitzer nicht. Vielleicht den einen oder anderen. Aber er wusste, dass die Gießerei in eine neue Maschine investiert hatte. Sie goss mit größerer Präzision, sodass sich der Bedarf an Nachbehandlung entschieden verringerte. Insgesamt wurden Arbeiten und damit Kosten eingespart, indem man die Produktion von China nach Hause verlegt hatte.

Diese kleine Geschichte tauchte in meinem Gedächtnis auf, als ich einen Artikel in der LA Times las.

Er handelt von einem Unternehmen, das Bürstenköpfe für elektrische Zahnbürsten herstellt. Man hatte einen Teil der Produktion von China nach Hause verlegt und pumpte täglich 13000 Bürsten in Ladenketten wie Wal-Mart und Walgreens. Ein Traum der Firma Trump/Clinton, die amerikanische Arbeitsplätze zurückholen will. Das Problem in diesem Fall besteht darin, dass sich die Anzahl der Angestellten in der neuen Fabrik auf vier beschränkt. Sie tragen weder Helme noch Schutzanzüge. In weißen Overalls überwachen sie die Maschinen, die die Zahnbürsten herstellen. In China hatten mehrere Dutzend Mitarbeiter die Zahnbürsten mit einem bedeutenden Anteil an manueller Arbeit produziert.

Die Löhne in den amerikanischen Fabriken sind auch nicht hervorragend. Sie befinden sich keineswegs auf einem Niveau, das erforderlich wäre, um den Traum der 1950er-Jahre wiederzubeleben, da ein Industriearbeiter Haus, Auto und nicht berufstätige Gattin haben konnte. Selbstverständlich sind an der Herstellung mehrere Personen beteiligt: Produktentwickler, Vertriebsleiter, Maschinentechniker, Computerspezialisten, Buchhalter, Ökonomen und so weiter. Aber die Menschen auf dem Fabrikboden sind vermutlich weniger als diejenigen in der Projektgruppe der Reklamefirma, die die Produkte auf den Markt bringt.

Dasselbe gilt für den Fahrradhersteller Bicycle Corporation of America, der 1991 seine letzte Fabrik in den USA schloss, jetzt aber eine neue in Manning, South Carolina eröffnet. 115 Mitarbeiter stellen 300000 Räder im Jahr her. Das sind genauso viele wie 1991, aber es werden 30 Prozent weniger Angestellte gebraucht, und 2,6 Millionen Fahrräder werden immer noch aus China importiert. Wenn die Produktion in den USA auf 450000 Räder (50 Prozent) steigt, sind weitere 30 Mitarbeiter erforderlich. Was früher Dutzende von Arbeitern benötigte, wird heute von Maschinen gemacht.

Wenn Trump und Clinton mit dem Finger auf China zeigen, haben sie in gewissem Sinn recht. Im Jahr 2000 stabilisierten die USA und China ihre Handelsverbindungen, und China trat der WTO bei. Dadurch wurden Investitionsklima und Handelsvoraussetzungen gestärkt, was zu einer massiven Welle von Investitionen führte, sowohl bei chinesischen als auch bei amerikanischen Unternehmen. Die Chinesen wurden zu Exporteuren fertiger Produkte und zu großen Unterlieferanten für die amerikanische Industrie.

Gleichzeitig aber wurde die USA-Industrie radikal rationalisiert. In weniger als einem Jahrzehnt hat sich die Anzahl menschlicher Arbeitsstunden halbiert, die zum Bau eines Autos aufgewendet werden. Noch immer sind Menschen notwendig, um die Endmontage von Sitzen, Türen und Instrumenten durchzuführen, aber die Roboter, die solche Arbeiten bewältigen, sind bereits auf dem Weg.

Der Trump/Clinton-Traum, wonach die USA Millionen gut bezahlter Industriearbeitsplätze zurückbekommen, ist völlig unrealistisch.

Stattdessen droht dieser Traum, die Entwicklung und Veränderung der Wirtschaft zu verzögern. Außerdem schadet er denen, die freigestellt werden und Unterstützung für die Umstellung benötigen. Unabhängig davon, ob man daran glaubt, dass solche Maßnahmen sinnvoll seien, sind sie angemessener als der Glaube, dass die USA mehr und bessere Industriearbeitsplätze bekommen könnte.

 

Die Beiträge unserer Gastblogger bringen jeweils die Meinung der Autoren zum Ausdruck und spiegeln nicht unbedingt die Meinung oder Position der Alliance for Responsible Commerce und arc.trade/de wider.

 

 

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